Ausblick

Auf den bisherigen Seiten waren viele Aussagen zu lesen, die in dieser Zusammenstellung neuartig und ungewohnt sind.
Viel von dem Gesagten ist subtil bereits Teil unserer Kultur und unseres Selbstverständnisses geworden. Diese Seiten sind demnach zum Teil Ausdruck eines bereits gelebten Selbstverständnisses.

Eine wesentlicher Grund, der zur Erarbeitung dieser Texte geführt hat, war der zunehmende Eindruck des Autors, dass unsere gesamte Kultur einschließlich der christlichen (und vermutlich auch anderer Religionen) in großem Maße durch Gruppen mitbeeinflusst worden war, die in Wirklichkeit einer ganz anderen Art von Religiosität anhängen.
Neben der Geschichte der Übernahme der christlichen Religion durch das römische Reich, welches ja zuvor durch seine Machtvertreter Christus selbst wortwörtlich bis aufs Messer bekämpft hatte waren es die unter "Das Böse" beschriebenen Zusammenhänge, die eine Hinterfragung des subtilen religiösen Verständnisses der Gegenwart motivierte.

Die Folge dieser Beschäftigung war ein grundlegender Vertrauensverlust, auch in die kirchliche Führung der gewöhnlichen religiösen Menschen. So entstand das Ansinnen, einen Zugang zur Religiosität zu schaffen, in dem sich Menschen in ihrem "Glauben" nicht anderen Menschen ausliefern und der durch weitere mögliche Enthüllungen nicht zu erschüttern sei. Schließlich warten auf der anderen Seite der Religiosität eben viele atheistische und humanistische Angebote, die zwar auch vieles für sich haben, aber leider wesentliche Fragen ebenfalls nicht beantworten können und die vor allem keine plausible Einbindung ihrer Gedankengebäude in ein Selbstverständnis des Herzens geschaffen haben.

Viele Leser mögen diese Verunsicherung nicht nachvollziehen können und es mag die Frage im Raum stehen, ob es heute noch einer religiösen Einbindung eines ethischen Verständnisses bedarf, wo doch bereits viele ethischen Prinzipien weltweit anerkannt sind und diese Fragen eigentlich sinnvoll regeln? Wer jedoch die kulturelle Entwicklung aufmerksam beobachtet, der wird feststellen, dass sich heute mehrere hedonistische Milieus entwickeln (nicht nur in der obersten Führungsschicht, sondern auch unter einfachen Bürgern), deren Lebensverständnis sich gerade aus diesem religiösen bzw. ethischen Deutungsvakuum speist, welches zwischen dem Humanismus und den konservativen religiösen Lebensentwürfen entstanden ist. Diese Menschen leben in ethischen Lebensentwürfen, die ein positives Verantwortungsbewusstsein für das Wohl ihrer Mitbürger weitgehend ausschließen und die ein Bewusstsein für die seelische Dimension unseres Daseins nicht wahrnehmen.
Vor diesem Hintergrund erschien die Gestaltung eines religiösen und ethischen Verständnisses, in welchem die Bürger einer Gemeinschaft aktiv Verantwortung insbesondere für die ethischen Fragen übernehmen und in dem sich Menschen auch unabhängig von überlieferten Glaubensbotschaften als beseelte Wesen und als Teil des Universums erachten, als Ausweg, einem Auseinanderdriften verschiedener Milieus zu begegnen, welches auch die Gefahr eines Zerbrechens der gesamten Gesellschaft beinhalten kann.

Insbesondere bietet das religiöse und ethische Verständnis von minimalreligion.de dem interessierten Bürger eine Brücke zur Kommunikation mit Bürgern anderer Milieus, welche nicht über die Angst vor Dogmatismus oder auf der anderen Seite Grenzenlosigkeit sonst versperrt werden könnte. Es ist somit das Angebot von minimalreligion.de, etwas Verbindendes zu schaffen, welches ein Verständnis zwischen religiösen und nicht religiösen Menschen ermöglicht und welches Menschen verschiedener Milieus, mit oder ohne Glauben oder mit verschiedenem Glauben auch wieder auf die Basis eines gemeinsamen Interesses einer friedlichen und gerechten bzw. fairen Gesellschaft zurückführt.

Und letztendlich ist minimalreligion.de ein Angebot an religiöse Menschen, ihre Religiosität noch einmal neu zu verankern und zu begründen, in einer Weise, die durch atheistische Mitbürger schwer angreifbar ist und die ihre Religiosität zusätzlich gegen Sinnkrisen der Gesellschaft festigen kann.

minimalreligion.de ist ein Angebot und will kein Dogma sein. Diese Texte sollen den Menschen dienen, wenn diese einen Nutzen darin erkennen können. Insbesondere soll kein gläubiger Mensch dazu gebracht werden, seinen Glauben über Bord zu werfen. Höchstens wollen diese Seiten religiösen Menschen manche Ängste vor einem vermeintlich rachsüchtigen oder in unguter Weise einengenden Gott nehmen, wenn diese Menschen in zwang ausübenden Sekten oder Glaubensgemeinschaften gefangen sind. Im Idealfall sind Ihnen die aufgeführten Gedanken ein Werkzeug, eine Brücke, um mit ihren Mitbürgern in einen guten und friedlichen Kontakt und Austausch zu kommen.

Gleichwohl auf dieser Homepage für das Internet eine Menge Text geboten wird, so werden die Themen im Prinzip nur angerissen und es gäbe zu jedem Punkt noch viel zu sagen und viel zu bereden.
Rückmeldungen und Fragen sind daher herzlich willkommen, eben so wie eine Empfehlung dieser Seiten an Ihre Freunde, wenn Sie an den Inhalten Freude gefunden haben.

Trotz der Knappheit, Schlichtheit und Unvollkommenheit dieser Texte betrachten sich diese gleichwohl als einen Anfang auf dem Weg zum religiösen Leben. Sie sind die Anregung zu einem respektvollem Selbstverständnis des Eingebettet Seins in das Universums und der gelegentlichen Meditation und Kontemplation zur Pflege dieses Selbstverständnisses. Und sie greifen das Christliche Selbstverständnis der Nächstenliebe als Teil der eigenen seelischen Gesundheit auf, welche Teil dieses religiösen Selbstverständnisses sind.
Auch die ersten zwei der zehn alttestamentarischen Gebote bieten an, auf die weitergehende (bildliche) Beschreibung eines Gottes zu verzichten, ebenso wie auf die Verehrung aller möglichen weiteren Geister. Was braucht es mehr, um gesund in dieser Welt eingebettet zu sein, als den natürlichen Respekt eines Universums-Bürger vor dem Universum und vor der Seele des Universums?

Mögen Sie viel Freude, Kraft und Wärme finden und Ihren individuellen Weg, der Ihrer Bestimmung und Ihrem Charakter entspricht.


Veröffentlichung am: 24.06.2014
Letzte Änderung: 11.07.2014
Ulrich Sommer