|
EinführungDas Universum vom Standpunkt der Erdoberfläche aus betrachtetDiese Texte wollen Religiosität und deren Bedeutung für Menschen aus einem sehr weltlichen, menschlichen oder psychologischen Blickwinkel betrachten, in respektvollem Abstand von transzendenten Wirklichkeiten. Sie wollen keine eigene Religion begründen oder die großen Religionen in Frage stellen. Definitionen werden vermieden, wo klare Erkenntnis nicht möglich ist. Der Begriff Gott wird abgegrenzt von vielerlei eingrenzenden Deutungen. Auch Bilder vom Leben nach dem Tod oder anderen jenseitigen Vorstellungen werden bewusst vermieden. An die Stelle von Gottesbildern und jenseitigen Vorstellungen tritt ein grundsätzlicher Respekt vor der Schöpfung und vor Seele und Geist. Dabei sollen auch die Worte Schöpfung, Seele und Geist in möglichst geringem Maße definiert werden. Einfachste Erfahrungen, die den meisten Menschen vertraut sind oder nacherlebbar sind, schaffen einen leichten Zugang zu einer Art Glauben oder besser Vertrauen. Vernunft als Hilfe zum EinstiegViele Menschen erhoffen von Vernunft die Lösung unserer zivilisatorischen Probleme und von Egoismus und Brutalität. Auf der anderen Seite ist unser Denken, unsere Vernunft, das Werkzeug, mit dem wir eine Verbindung von unserem Innersten zu unserem Handeln und Entscheiden schaffen können. Sie ist auch in religiösen Fragen die letzte Instanz, die nach den anderen Instanzen unseren Weg bereitet. In diesem Sinne will diese Arbeit die Vernunft nutzen, um die spärliche seelische Erfahrung, wie sie bei den meisten Menschen und mir dem Bewusstsein zugänglich ist, mit unserem Denken zu verbinden. Sie soll ferner beurteilen, inwieweit wir in religiösen Fragen durch Gruppenzwang oder Autoritäten fremdbestimmt sind oder inwieweit wir in einem religiösen Bezug zur Welt zu uns selber und zu unseren tiefen Bedürfnissen finden können. Das Eingeständnis, praktisch nichts zu wissenJeder Mensch erlebt in sich selber das Wunder des Lebens, eine umfassende Sehnsucht ohne greifbare Ziele und einen Kern seiner Persönlichkeit, der über aller Materie zu existieren scheint. Viele gehen mit dieser Hilflosigkeit so um, dass sie die bewegenden Fragen verdrängen und alle Sehnsucht materiell oder logisch zu erklären und zu befriedigen versuchen.
Der hier angebotene Weg besteht darin, den Fragen, die uns bewegen, nachzuspüren, sie im Bewusstsein zu bewahren und es auszuhalten, dass die Antworten darauf, soweit sie jenseits unseres irdischen Horizonts liegen, vorerst unbeantwortet bleiben. Die Welten jenseits unseres Horizonts sollen aus Respekt nicht ins Licht gezerrt werden, wo sie sich nicht von selber unseren Augen offenbaren. Es soll versucht werden, eine Haltung zu finden, die dem Gespür für die Größe des Universums mit einer weisen Lebensweise antwortet - und zwar mit dem Blick auf die Dinge, die unserer Wahrnehmung zugänglich sind. Minimalreligion für Gläubige und AtheistenWenn Sie im Glauben leben, werden Sie sich auf der www.minimalreligion.de des öfteren wundern, warum ich so oft die Bedeutung des "Glaubens" erläutere für den Fall, Gott existiere gar nicht eigenständig. Dahinter steckt mein Bestreben, eine Brücke zum Atheismus zu schlagen. Sie kennen die Religionskritik unter dem Begriff "Opium fürs Volk", die für viele Sekten und auch im Falle des Christentums (z.B. Kreuzzüge) in der Geschichte oder im Falle militanter "islamischer Gotteskämpfer" ihre Berechtigung hatte. Ich will zeigen, dass es eine Art "Gottesfürchtigkeit" geben kann, die keinen Glauben an einen real existierenden Geist erfordert, sondern die eher eine liebende Haltung gegenüber dem Universum und der "Schöpfung", bzw. dem Wunder des Lebens darstellt. Ich will aber auch dem "Gläubigen" zeigen, dass das Gebot "Du sollst Dir kein Bild von mir machen" den Gläubigen dahingehend befreien kann, dass er sich nicht mehr auf Beschreibungen des Gottes aus religiösen Quellen fixieren muss. Der "Glaube" des eigenverantwortlichen Menschen kann eine umfassende Liebe zum Leben, zu allen Wesen dieser Erde, zur Schöpfung und zur wie auch immer gearteten Kraft hinter all diesen Wundern sein. Der Glaube des eigenverantwortlichen Menschen kann eine Orientierung des Handelns und der Intuition mit dem Ziel seelischer Gesundheit darstellen. Wo wurde der Begriff "Minimal-Religion" sonst bereits verwendet?Nach der Fertigstellung dieser Homepage fand ich unter der Bezeichnung "Minimal Religion" noch zwei weitere völlig unterschiedliche Bedeutungen: Eine eher philosophische Abhandlung zum Thema "Autonomie von Staaten" forderte eine "Minimal-Religion" (Jean-Jaques Rousseau) als Standard, der sich jeder Bürger verpflichten solle, um einen ethischen Grundkonsens herzustellen, der ein Zusammenleben ermöglichen oder erleichtern solle. Diese interessante Betrachtungsweise ist nebenbei ein deutlicher Hinweis auf die politische Dimension von Religion und auf die Gefahr des Missbrauchs von Religion für Zwecke der Macht. Im genannten Fall ist sympathischer Weise die Rede von der Macht des Volkes. Auch wenn wir dem Volk die Macht gönnen wollen, macht Religion als Grundlage unseres Selbstverständnisses innerhalb der Welt keinen Sinn, wenn sie sich aus Bedürfnissen der Gesellschaft definiert und nicht aus der absolut unvoreingenommenen Verpflichtung zur Warheit.
Eine weitere Bewegung hingegen kommt aus Russland und ähnelt der Grundintention dieser "www.minimalreligion.de": Sie ist ein Versuch, das Christentum grundlegend zu entschlacken und einen direkten Zugang zum Christlichen Gott zu erlangen, frei von vielerlei komplexen Regelwerken, welche die Kirche im Laufe der Zeit angesammelt hat. Von diesem Ansatz unterscheidet sich die "www.minimalreligion.de" vor allem dadurch, dass sie sich nicht als explizit christliche Sichtweise versteht, sondern als Grundlage für jede Art von Religiosität verstanden werden will. Von beiden Strömungen distanziere ich mich hiermit in der Hinsicht, dass die "www.minimalreligion.de" nicht von ihnen ursprünglich beeinflusst wurde, sondern eigenständig entstanden ist und dass andersherum selbstverständlich beide anderen Strömungen keinerlei Verantwortung für die Inhalte dieser Seite tragen.
Nächste Seite: "Glaube und Wirklichkeit"
|