Die Liebe

Das Wort "Liebe" gehört zu den am häufigsten missbrauchten oder fehlverstandenen Begriffen. Wenn es verwendet wird, geht es nicht selten um Ansprüche, Besitzdenken oder um Bedürftigkeit und Sehnsucht. Der Liebe wird eine enorme Kraft zugerechnet, doch bleibt auch dabei offen, ob mit dieser Kraft wirklich eine erwachsene Zuwendung und Verantwortlichkeit gemeint ist, oder die Kraft der Sehnsucht, der Triebe und der Angst vor der Einsamkeit.

Grob kann man die vollkommen verschiedenen Bedeutungen des Wortes Liebe unterteilen in eine erotische Liebe, die sich in der Regel auf einen gegegengeschlechtlichen Menschen bezieht und mit heftigen Gefühlen verbunden sein kann und in eine gebende, präsente, fürsorgliche oder verantwortliche Liebe, die eher einer Haltung oder Handlung entspricht, als einem Gefühl in dem "liebenden" Menschen.

Die erotische Liebe bzw. erotische Anziehung und Erleben

Die Romantik hat beispielsweise mit Werken von Goethe (Werther) und Shakespeare (Romeo und Julia) die Idee einer romantischen erotischen Liebe begründet, die sich bei einem für einander vorgesehenen Paar einstellt und die für immer währt.
Gleichwohl dieses Liebesideal heute von wenigen Menschen wirklich noch für lebbar und realistisch erachtet wird, prägt es implizit über die hohen Erwartungen an eine Beziehung oder an die erotische Liebe noch heute unsere Kultur maßgeblich.

Es sei im Folgenden angeregt, die erotische Liebe als ein stark emotionales und nicht direkt steuerbares Erleben zu betrachten, welches sich einerseits aus körperlichen Signalen speist und welches ferner einer Sehnsucht folgt, welche sich nicht zwingend auf die gesamtheitliche Persönlichkeit beziehen muss, die diese Gefühle auslöst. Das mit der erotischen Liebe einhergehende Erleben ist demnach in der ergriffenen Person bereits angelegt und wird durch entsprechende Reize und die erforderliche innere Offenheit ausgelöst. Die Reize sind beispielsweise die Ausstrahlung des gegengeschlechtlichen Menschen, seine sekundären Geschlechtsmerkmale und andere Wahrnehmungen. Die innere Offenheit besteht beispielsweise in einer positiven Bewertung der betreffenden Person, eventuell sogar nur in einer nicht gegebenen Ablehnung der selben. Für die innere Offenheit bestimmende Faktoren können die Abwesenheit von trennenden Konflikten, einem Suchmuster entsprechende Merkmale und die generelle Bereitschaft, sich dem "Verlieben" zu öffnen, sein. All diese Faktoren setzen nicht zwingend eine tiefere innere Verbindung oder "Seelenverandschaft" zu der betreffenden Person voraus.
Provozierend und plakativ sei das Beispiel angeführt, in dem ein Mann auf einem Werbeplakat eine attraktive Frau sieht, die ihn in besonderer Weise anspricht. In dem angeregten Sinne wäre dies bereits eine "wahre (erotische) Liebe", obwohl die Beziehung erwiesener Maßen einseitig wäre und der betroffene Mann von der Frau kaum persönliche Informationen hätte.
Dieses Beispiel ist bewusst beziehungslos gewählt, um darzulegen, dass dieses heftige Gefühlserleben, um welches sich so viel Romane ranken, Ideale erhoben werden und welches in der medialen Umwelt so stark kultiviert wird, keinerlei Substanz in Bezug auf eine zwischenmenschliche Beziehung oder Bindung haben muss. Die erotische Liebe in diesem Sinne ist ein natürliches und sicherlich bedeutsames Phänomen, welches aber nichts mit Treue, tiefer Verbundenheit zwischen zwei Personen und mit Dauerhaftigkeit zutun haben muss.
Das Aufflammen einer erotischen Liebe oder "erotischen Anziehung" kann ein Indikator für die mögliche positive Bedeutung der betreffenden Person für das eigene Leben sein, muss es aber nicht. Viele Menschen erleben mehrfach, wie die erotische Anziehung zu verschiedenen Personen sie wiederholt in ungünstige Beziehungskonstellationen treibt. Andererseits ist eine intime Beziehung ohne erotische Anziehung auch kein Zuckerschlecken und die erotische Anziehung und das erotische Erleben lassen sich nicht per Vernunft schaffen oder abstellen. Der Mensch ist diesem Erleben oder nicht-Erleben ein Stück weit hilflos ausgesetzt.
Es besteht jedoch die Möglichkeit, der erotischen Anziehung und dem erotischen Erleben eine Art "Nest" zu bereiten, indem bestehende Konflikte gelöst werden, in dem ein alltagsferner "Raum" geschaffen wird, in dem störende Einflüsse zurückgedrängt werden, ein einladendes Ambiente geschaffen wird und indem sich die Menschen füreinander schön machen. Aber zwingen, wie gesagt, lässt sich erotisches Erleben nicht.

Gebende Liebe bzw. das Geben

Im Gegensatz zur erotischen Liebe oder erotischen Anziehung ist die gebende Liebe an sich kein Gefühl, sondern eine Handlung oder eine Verhaltensweise. Dabei ist nicht alles, was ein Mensch gibt, gebende Liebe. Vielmehr erfordert eine umfassende gebende Liebe ein umfassendes Gespür für die Bedürfnisse des beschenkten Gegenübers. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Vereinfacht ausgedrückt, gelingt gebende Liebe in dem Moment, wo der beschenkte von der Gabe überwiegend profitiert, wenn die nützlichen Aspekte der Gabe die eventuellen schädlichen Wirkungen dieser Gabe überwiegen.
Muss das Geben als "Liebe" bezeichnet werden? Die Begriffsweise ist nicht unpassend, der Begriff "Liebe" ist jedoch wie eingangs erwähnt stark mit überhöhten Vorstellungen befrachtet. Daher soll im Folgenden nur noch von "Geben" die Rede sein.
Gegeben werden können beispielsweise Aufmerksamkeit, Zuwendung, Unterstützung, Freiheit (meist in einer bereits bestehenden Beziehung oder Gemeinschaft) und natürlich alle möglichen Dinge, solange sie den Beschenkten nicht erdrücken.
Besondere Bedeutung hat das Geben freilich dort, wo für den beschenkten ein Mangel oder eine Not besteht und wo diese Not durch die Gabe behoben oder gemildert werden kann. Eine liebevolle Art hat ein gebender Mensch, wenn er eine Antenne für derartige Nöte hat und darauf reagiert.

Treue

Unter Treue in einem herkömmlichen Sinne wird bevorzugt das dauerhafte Verbleiben in einer gegengeschlechtlichen Partnerschaft bezeichnet, ohne dass die treue Person während dieser Zeit einen erotischen Kontakt zu anderen Menschen eingeht oder pflegt.

Auf dieser Homepage wird mit dem Begriff "Treue" für das aufrichtige Bemühen verwendet, jedem Menschen und nach Möglichkeit auch jedem Wesen, mit dem ein Mensch in einer wie auch immer gearteten Beziehung steht, gerecht zu werden, ihn fair zu behandeln und, wo sich aus der Beziehung eine in der Beziehung vorgesehene Angewiesenheit ergibt, diesen nicht im Stich zu lassen (beispielsweise in der Beziehung zu Kindern).
Treue in diesem Sinne ist nicht gemeint, wenn ein Mensch einer einzelnen Person oder befreundeten Personen eine bevorzugte Behandlung zukommen lässt, wohingegen andere Personen oder Wesen schlecht oder rücksichtslos behandelt werden.

Beziehung, Vertrautheit und Freundschaft

Eine Beziehung zwischen zwei Menschen entsteht durch ihr Zusammensein, durch gemeinsame Erlebnisse, Interessen oder gemeinsame Kinder. Die Tiefe einer Beziehung wird ferner beeinflusst von der Harmonie der Persönlichkeiten, durch die innere Offenheit und Bezogenheit beider in Beziehung stehenden Menschen und durch die Bereitschaft der zwei Menschen, einander zu geben und voneinander zu nehmen.
Menschen können, wenn sie ihre Aufmerksamkeit auf diese Frage lenken, sehr rasch erkennen, ob eine Person "seelenverwand" ist bzw. ob es bei einer Möglichen Beziehung eine mögliche Harmonie oder Gemeinsamkeiten im Charakter gibt. Wir werden beispielsweise bei der Partnerwahl nicht darauf vorbereitet, dieser Frage wesentliche Bedeutung zukommen zu lassen. Wer seine Aufmerksamkeit auf sein Interesse an einer Persönlichkeit richtet, kann beispielsweise feststellen, dass seine Bereitschaft, eine auch nicht intime Beziehung zu einer eher "seelenverwandten" andersgeschlechtlichen Persönlichkeit zu pflegen leichter gegeben wäre als bei einer attraktiven gegengeschlechtlichen Persönlichkeit, bei der eine derartige Seelenverwandschaft oder andersartige innere Passung nicht gegeben ist. Es versteht sich, dass zwei Menschen, die auch unabhängig von möglicher Intimität bereit sind, ihre Beziehung zu vertiefen, nebenbei auch eine höhere Chance haben, eine Intimbeziehung einzugehen. Wer hingegen vornehmlich durch die Attraktivität einer Person angezogen wird, wird in seinem Werben seine innere Bedürftigkeit weniger gut verbergen können und somit auf die umworbene Person weniger anziehend wirken, als wenn diese ein Interesse in ihrer Persönlichkeit erkennen kann.
Ein weiterer wesentlicher Faktor für die Tiefe einer Verbindung ist ferner, dass Konflikte weitgehend bereinigt sind und dass beide Menschen innerlich "ja" zu ihrer Verbindung sagen können, in dem sie den jeweiligen anderen Menschen für die momentane Situation weitest möglich akzeptieren und wertschätzen können.
Dieses "Ja" ist beispielsweise für das erfüllende Erleben einer intimen Begegnung eine der entscheidendsten Bedingungen.
Es liegt nahe, dass Menschen, die eine treue Art bzw. Lebenseinstellung haben, sowohl bevorzugt das Vertrauen und damit ein "Ja" ihres Partners wiederholt immer wieder gewinnen können, als auch dass sie selber leichter zu einem inneren "Ja" finden, weil sie ohnehin präsenter und toleranter in Beziehungen stehen.

Leider werden wir von den Medien eher dahin bestärkt, diese Dinge weniger zu beachten und uns von der Attraktivität mehr führen zu lassen, als von unserer Wachheit gegenüber einer inneren Harmonie. Ferner bestärkt uns unsere Kultur leider wenig zur Toleranz und Zufriedenheit in Beziehungen, sondern verstärkt eher unsere Anspruchshaltung und Unzufriedenheit. Wer dies erkennt, kann jedoch in diesem Sinne positiven Einfluss auf die Partnerwahl und die Zufriedenheit in Beziehungen nehmen.

Intimität

Es ist eine traurige Tatsache, dass die wenigsten Menschen in unserem und in vielen anderen Kulturkreisen eine befriedigende Sexualität leben können. Dieser Missstand ist mit Sicherheit zu großen Teilen ein Resultat einer medialen Fehlleitung, aber ein weiterer großer Teil dieses Dilemmas liegt darin begründet, dass die Fruchtbarkeit und die mit ihr einhergehenden inneren Kräfte auch bei bester innerer Ausrichtung eine schwer aufzulösende Spannung hervorrufen:

Ein ungebremstes Folgen der sexuellen Anziehung würde sowohl bei monogamer, als auch bei polygamer Lebensweise zu einem Bevölkerungswachstum führen, welches innerhalb kürzester Zeit nur durch Selektion oder Katastrophen wieder auf eine Bevölkerungsstärke zurückgeführt werden könnte, die nachhaltig auf der Welt leben könnte. Dies wäre mit unendlichem Leid verbunden. Dass dies zur Verbesserung des Erbgutes führen würde, ist nicht anzunehmen, wenn man nicht extremen Kampfgeist und Aggressivität als positive Merkmale sowohl für Individuen, als auch für Gemeinschaften schätzen würde. Daher dürfte diese Lebensart nicht im Interesse einer Gemeinschaft stehen.
Eine schlichte Enthaltsamkeit über den Zweck der Zeugung hinaus führt erfahrungsgemäß zu einem "vertrockneten" Lebensgefühl und kann kaum als Antwort auf den bestehenden Konflikt betrachtet werden.
Jeder Art der Verhütung wohnt der Widerspruch inne, dass im intimen Akt der Liebe die damit verbundene Fruchtbarkeit essentieller Bestandteil ist, wohingegen der Akt der Verhütung sich gegen genau diese Fruchtbarkeit wendet. Hinzu kommt, dass praktisch alle Verhütungsmethoden entweder mit unangenehmen körperlichen Begleiterscheinungen verbunden sind, oder in irgendeiner Form die freie und ungezwungene Intimität behindern. Mit Sicherheit muss auch die Sterilisation als im Prinzip barbarischer Akt betrachtet werden, bei dem wesentliche "Lebensadern" durchtrennt werden. Es werden auch mehrfach psychologische Folgen berichtet. Gleichwohl könnte die freiwillige Sterilisation, also die Durchtrennung des Samenleiters beim Mann oder die Abklemmung des Eileiters bei der Frau, eine der "harmlosesten" Formen des Umgangs mit der Sexualität sein, nachdem ein Paar die gewünschte Zahl von Kindern gezeugt hat.

Die Abtreibung dürfte vermutlich der insbesondere für die Seelen der betroffenen Personen fatalste Schritt zum Umgang mit der Fruchtbarkeit sein. Systemische Psychologen berichten über psychologische Folgen der Abtreibung, welche die Eltern des abgetriebenen Kindes und die anderen betroffenen Personen einschließlich der Geschwister noch über Generationen hinaus mit sich herumtragen.
Die große Zahl abgetriebener Kinder in den westlichen Ländern dürfte eine enorme seelische Bürde für die gesamte Gesellschaft darstellen.
Die Gemeinschaft sollte im Sinne des glücklichen Zusammenlebens alles tun, um die Zahl der Abtreibungen massiv zu verringern. Ein pures und alternativloses Verbot der Abtreibung kann hierzu allerdings in der einfachen Form keinen wirklich bedeutsamen Beitrag leisten, da es die Not der betreffenden Eltern nicht nimmt und erfahrungsgemäß zu einer Verschiebung der Abtreibungen ins Dunkle führen würde. Essentiell für eine Verbesserung der Lage wäre eine positive Einstellung der Gesellschaft gegenüber alleinstehenden Müttern einschließlich einer besseren Unterstützung dieser Mütter und Kinder. Ferner gälte es die Freigabe zur Adoption massiv zu fördern, zu kultivieren und positiv zu besetzen. Und nicht zuletzt wäre die Schärfung des Bewusstseins gegenüber der Verhütung bei Männern und Frauen in diesem Zusammenhang ein wesentlicher Beitrag zur Verhinderung entsprechend unglücklicher Elternschaften.

Keuschheit bzw. Unkeuschheit

Der Begriff "Unkeuschheit" ist für einen Teil der Gesellschaft ein Unwort und Ausdruck einer körperfeindlichen Lebenshaltung. Das Wort gehört für diese Leute gestrichen und die "Liebe" gehört "befreit".
Manche Religionen hingegen betrachten selbst den Geschlechtsakt und den Samenerguss als Unkeuschheit, einschließlich des Geschlechtsaktes in einer Ehe. Es fehlt dem Autor der Einblick in derartige spirituelle Zusammenhänge, um bereits den Geschlechtsakt als Ausdruck von Unkeuschheit bzw. einer die Seele schädigenden Verhaltensweise zu betrachten. Wahrscheinlicher dürfte sein, dass Menschen, die sich generell ihrer Intimität gegenüber ablehnend einstellen, ohne dies mit signifikanten spirituellen Inhalten zu füllen, sich in mindestens gleicher Weise seelisch schädigen, indem sie einen unnatürlichen Spannungszustand zu ihrem Körper entwickeln.

Die so genannte "Freie Liebe" hingegen, wie sie beispielsweise in der Swinger-Bewegung gelebt wird, beinhaltet mit Sicherheit eine Entfremdung der Menschen zueinander, da der Geschlechtsakt in jedem Fall eine starke Verbindung zwischen dem Menschen schafft, die sich intim aufeinander einlassen. Das rigide Unterbinden der im Geschlechtsakt entstandenen Beziehung bedeutet für die betroffenen Menschen einen Verlust an Lebenskraft.
In vergleichbarer Weise bedeutet die Intimität zu einem Menschen, der nicht gut zu einem passt oder der einem gegenüber verächtlich eingestellt ist oder rücksichtslos agiert, einen großen Verlust an Lebenskraft. Es ist speziell der intime Akt, der es potentiell mit sich bringt, besonders viel Lebenskraft verlieren zu können, oder zu gewinnen.
In diesem Sinne hat der Begriff "Keuschheit" durchaus seine grundsätzliche Berechtigung. Auf dieser Homepage sei er verstanden als das intensive Bemühen, die Intimität nur in Verbindung zu Menschen zu leben, zu denen ein hoher Grad an Vertrautheit besteht, mit denen eine geklärte Beziehung gelebt wird, in der sich nicht zwei Menschen etwas vollkommen unterschiedliches voneinander erhoffen, und in der eine Art von Gleichgewicht der Kräfte, ein hoher gegenseitiger Respekt und ein hohes Verantwortungsgefühl beider Partner besteht. Diese Voraussetzungen dürften eine gute Gewähr bieten, dass die beteiligten Menschen von der Intimität mehr profitieren, als dass sie ihnen schadet.

Darüber hinaus ist es für eine erfüllende Intimität mit Sicherheit von Nutzen, wenn beide Partner die Intimität innerlich bejahen und sie engagiert pflegen. Diese Pflege beinhaltet einerseits die Schaffung von Räumen für die Beziehung und die Intimität, räumlich und zeitlich. Ferner beinhaltet die Pflege der Intimität das Bemühen um wache Präsenz im Zusammensein, das wache Gespür füreinander und auch immer wieder einmal der Austausch über die jeweils eigenen Bedürfnisse und die des Partners.
eine gut gepflegte und erfolgreich gelebte Intimität ist mit Sicherheit ein sehr stabilisierender Faktor in einer Ehe oder einer zwischengeschlechtlichen Beziehung.

Liebe zu Gott

In einem Nachrichtenmagazin stand vor Jahren die Geschichte eines Mannes aus einer Psycho-Sekte, die unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt hier als "Gleichnis eines weiteren "Verlorenen Sohnes" und sinnbildlich seines Verhältnisses zu seinem Vater betrachtet werden könnte:

Ein junger Mann war Mitglied einer Psycho-Sekte. Sein Guru sagte ihm im Laufe seiner Entwicklung, er solle nun zu seinem Vater gehen und ihm sagen: "Ich liebe Dich". Dies tat der Junge Mann. Sein Vater antwortete darauf: "Bist du jetzt vollkommen übergeschnappt?" Darauf hin war der junge Mann "geheilt" und verließ die Psycho-Sekte.

Könnte diese Geschichte auch eine Möglichkeit einer Beziehung zu einem Gott aufzeigen? Viele Religionen betonen die Wichtigkeit, Gott zu lieben in einer Weise, die zu einem "Liebesdruck" führen kann, unter dem tatsächlich viele religiöse Menschen stehen. Stellen Sie vor, dieser Gott würde zu diesen Leuten die Worte dieses Vaters sprechen? Wäre das nicht ein heilsamer Gedanke?
Um Misverständnisse zu vermeiden: Es soll nicht dazu ermuntert werden, "Gott" oder das Universum nicht zu lieben. Diese Seite leitet ja gerade dazu an, ein respektvolles Selbstverständnis gegenüber dem Universum und in diesem Sinne auch zu einem möglichen Schöpfergott des Universums zu entwickeln oder einzunehmen. Aber mit dem einfachen kognitiven Vorgang, sich als winzigen Teil dieses übermächtigen Universums und der gesamten Natur zu begreifen und dem "Rest" des Universums Verantwortungsbewusstsein und Treue entgegen zu bringen, ist es ein Stück weit auch getan. Natürlich liebt der Sohn seinen Vater und der Vater seinen Sohn. Natürlich hängen wir an dieser Welt und dem Universum, sonst könnten wir es oder zumindest unsere Welt ja auch verlassen. Und eine geistförmige Seele des Universums, sollte sie so existieren, würde dies auch wissen. Da erübrigen sich Liebesbekundungen. Wer sich für die respektvolle Lebensweise entscheidet und sich hier und da beispielsweise in Form einer Meditation oder einfacher Gedanken seine Teilhabe am Universum vergegenwärtigt, ist bereits "bei seinem Vater" oder seinen Eltern - im Universum - angekommen. Der Liebesdruck tut da nicht Not.

Liebt Gott den Menschen oder der Mensch sich selbst?

Wofür soll "Gottes Liebe" gut sein? Soll sie einem Menschen sagen: "Du bist gut, wie Du bist." Oder bedeutet "Gottes Liebe" eine Unterstützung durch günstige Lenkung des Schicksals, also einen Vorteil für den Menschen? Oder bedeutet sie Wärme und Stärkung für den Menschen, der sie wahr nimmt? Oder ist die Liebe Gottes, die ja laut Bibel an manchen Stellen an Bedingungen gekoppelt ist, eine Belohnung für vermeintlich gottgefälliges Verhalten?
Zweifelsohne hat die suggestive Aussage "Gott liebt Dich" (die so nicht direkt in der Bibel steht, aber von vielen Christen stark beton wird) eine rein psychologisch betrachtet stärkende Wirkung. Aber vollkommen unabhängig vom Wahrheitsgehalt eröffnet diese Aussage auch so einige Gedankenzweige im eingangs erwähnten Sinne, in dem die Liebe von und zu Gott zum Asset und zur Handelsware gegen Wohlgefallen oder vermeintlichen Wohlgefallen verkommt. Im Folgenden soll daher versucht werden, die einzelnen möglichen Bedeutungen einer "Liebe Gottes" zu entflechten und dieser an sich durchaus potentiell stärkenden Aussage eine andere Sichtweise zu geben.

Fangen wir mit der Bewertung des Menschen an: Wie bereits unter "das Gute" angemerkt, fällt es schwer, dieser Kategorie außerhalb eines Bewertenden ("Gott", ein oder mehrere Menschen oder andere Wesen) einen klaren Sinn zu geben. Es sei empfohlen, sich diesen Aspekt immer wieder vor Augen zu führen: Ein Mensch (oder irgendetwas anderes) ist niemals einfach an sich gut oder schlecht, sondern nur in den "Augen" eines Wesens oder wenigstens Geistes.
Viele Menschen stellen sich jedoch permanent die Frage, ob sie wertvoll seien oder wertlos und zermartern sich mit dieser Frage das Hirn. Diese Frage ist in dieser Form schlicht unsinnig! Die Frage, ob ein Mensch in den "Augen Gottes" wertvoll oder wertlos wäre, könnte vielleicht für einen Menschen von Relevanz sein, der vielfach bewusst andere Menschen schädigt oder der bewusst in anderer Form zerstört, obwohl er eine andere Wahl hätte. Gleichwohl bleibt diese Frage eine Glaubensfrage, die an dieser Stelle mangels direktem Draht zu einem Geistgott nicht beantwortet werden soll. Für Menschen, die hingegen, wie vermutlich die meisten Menschen und zumindest die Menschen, die mit dieser Homepage angesprochen werden sollen, nach einem verantwortungsvollen Umgang mit sich selber und mit dem Mitmenschen streben und die an sich ein Bedürfnis danach haben, zu jedem Zeitpunkt das beste zu geben und aus jeder Situation nach ihren Möglichkeiten das beste zu machen, für diese Menschen sollte diese Frage nicht relevant sein.
Auch das ist eine Glaubensfrage. Schließlich gibt es einige Religionen, die annehmen, dass ein Gott Menschen bevorzugt, die einer Abstammung angehören, die täglich dreimal ihre Liebe zu diesem Gott rituell hinausschreien, die bestimmte feinere Regeln beherzigen oder die genau dieser oder jener speziellen Glaubensgemeinschaft angehören. Ein derartige Glaube soll auf minimalreligion.de nicht gelebt werden. Genau das ist der Sinn, warum hier von der Seele des Universums die Rede ist, dass sich dieser "Gott" von irgendwelchen speziellen Göttern oder Gottesbildern unterscheidet, die durch verschiedene Glaubensgemeinschaften eingeengt und instrumentalisiert wurden. Das Folgende ist auch ein Glaube, der dem Leser an dieser Stelle nahe gelegt werde: Sollte die Seele des Universums ein Geist-Gott sein und sollte dieser tatsächlich in einer solchen Form werten, dann (dann und nur dann!) wird dieser alle Menschen, die bemüht sind, sich in guter Weise in die Welt einzubringen und mit sich selber umzugehen, für diesen Gott alle "wertvoll" und er "liebt" sie. Aber vielleicht können wir die Frage nach der Liebe Gottes in diesem Sinne doch etwas in den Hintergrund stellen for den wichtigeren Fragen. Im Sinne des obigen Gleichnisses vom verlorenen Sohn sei dem religiösen Menschen ans Herz gelegt, sich einfach als lebendiger Teil des Universums zu betrachten und darin seinen selbstverständlichen "Wert" oder seine selbstverständliche "Existenzberechtigung" zu haben, einfach weil das Universum ihn hervorgebracht hat.
Viel wichtiger ist eventuell, dass ein Mensch sich selber diese Liebe, die Achtung und Wertschätzung entgegenbringt. Freilich läuft im Leben vieles schief und jeder Mensch muss dafür ja auch mit seinem Schicksal und mit seiner seelischen Verfassung für seine Fehler "bezahlen". Das ist ja der eigentlich entscheidende Punkt, dass ein gutes und glückliches Verhalten der eigenen Person in einem umfassenderen Sinne nützt, einen Menschen befriedigt und glücklich macht. Die meisten Menschen (oder wenigstens die, die diese Homepage ansprechen will) sind wie gesagt ohnehin motiviert, einen guten Ausgleich zwischen sich und ihrer Umwelt zu finden und geben in diesem Sinne ihr bestes. Die "Sünden" sind in diesem Sinne ja eher als Missgeschicke oder Unfälle zu betrachten. Der in dieser Weise motivierte Mensch sucht jach jedem derartigen Missgeschick nach einem Weg der geschickteren oder besseren Bewältigung vergleichbarer Situationen. Dieses Bemühen ist genug der Selbtzermarterung. Darüber hinaus tut es einem Menschen einfach gut, mit sich selber im Frieden zu leben und sich nicht für das, was ohnehin schon schief gelaufen ist, noch einmal zusätzlich zu zermartern, abzuwerten oder sich für minderwertig zu halten. Dieses "Mit sich selbst im Reinen zu sein", auch wenn man "Fehler" macht und wenn man nebenbei weiterhin motiviert ist, das beste zu geben - Diese Treue sich selbst gegenüber ist eine wichtige und Kraft spendende Haltung, die vielleicht stärker sein kann, als die Beschwörung einer Liebe Gottes. Diese "Selbstliebe" soll auf keinen Fall als Trennung von "Gott" verstanden werden. Es ist lediglich die Vermeidung von destruktiven Selbstzweifeln und das Bewusstsein dafür, ein Teil des Ganzen, des Universums, zu sein und sich selber das "Recht" zuzusprechen, einfach da zu sein und dies gut zu heißen. Es reicht, wenn man seinen Platz in der Welt gegen andere Menschen oder Wiedrigkeiten behaupten muss. Gott oder sich selber sollte man da nicht als Gegner betrachten.

Gottes Liebe als Voraussetzung für ein gnädiges Schicksal bietet als Gedankenmodell die besten Voraussetzungen für "Kuhhandel" jeglicher Art. Die hohe Bedeutung, die dem Wort "Liebe" zugerechnet wird, geht dabei im Schachern umgehend verloren. Aus diesem Grund wird an dieser Stelle, ebenfalls im Sinne des obigen Gleichnisses vom verlorenen Sohn, Glaube als Werkzeug für günstige Beeinflussung des Schicksals eher kritisch betrachtet.
Dies schließt nicht aus, dass Autosuggestion, Meditation und auch das Gebet durchaus als vielfach bewährtes Mittel verwendet werden kann, um sich für ein glückliches Schicksal zu "programmieren". Aber es ist vielleicht der authentischere Ansatz, dies dann auch so zu benennen und ein eventuell tatsächlich eintretendes positives Schicksal nicht als "Liebesbeweis Gottes" zu betrachten.

Vielleicht lässt sich am Ende die Treue und "Liebe" sich selbst gegenüber so wie die Selbstprogrammierung auf ein seelisch gesundes und eventuell auch "erfolgreiches" Leben am Ende auch als "Liebe Gottes" bezeichnen. Die soeben angestellten Betrachtungen zeigen dabei vielleicht einen ehrlichen Weg zu einem selbstbewussten Selbstverständnis in dieser Welt auf und sie zeigen, dass dieses Selbstverständnis nicht eines unbeweisbaren Glaubens bedarf, sondern dass es eine schon vorher plausible und vernünftige Haltung beinhalten können (was folglich auch für den Menschen zutrifft, der dieses Selbstverständnis aus seinem Glauben heraus entwickelt).


Veröffentlichung am: 24.06.2014
Letzte Änderung: 24.06.2014
Ulrich Sommer