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SehnsuchtDie WurzelsündenWie hießen sie noch einmal, die sieben Wurzelsünden?
"Fata Morgana"Unsere Sehnsucht ist unbegrenzt. Das heißt, sie ist nie zufrieden. Ähnlich wie die Schwerkraft nicht geringer wird, wenn wir ihr nachgeben, uns fallen lassen oder in die tiefsten Täler steigen, bezieht sich die Sehnsucht niemals auf ein konkretes Ziel, bei dessen Erreichen sie als Kraft nicht mehr weiter wirkt. Dennoch empfinden wir ein kurzzeitiges Glücksgefühl, wenn wir den Projektionen unserer Sehnsucht näher kommen. Wir stellen konkrete Ziele an die Stelle der eigentlichen Sehnsucht, da wir die Sehnsucht nicht greifen können, da sie keine irdischen Ziele beschreibt. Das ist wie eine Fata Morgana: Was wir sehen und erstreben, gibt es wirklich. Nur ist der Ort, wo wir es aufgrund unseres Bildes vermuten, nicht der Ort, wo dieses Bild wirklich entsteht. Wer glaubt, er müsse sofort losziehen, um die Oase, das Schloss oder den Ort, wo das Glück zuhause ist, dort suchen, wo er gerade zu sehen meint, wird sich dann leicht verirren. Eine Frau tut alles für ihre Schönheit (um bei den konservativen Rollenerwartungen zu bleiben) um einen strahlenden reichen Mann zu erobern, der ihr ein großes Haus und eine Familie ermöglicht, für die sie sich aufopferungsvoll einsetzen will. Er kauft sich als Mann ein schönes Auto, ein großes Haus, arbeitet sich völlig auf für die schöne Frau, die er durch den Glanz an sich binden konnte und für seine Familie. Und er wird auch nicht unglücklicher, als der Moralist, welcher glaubte, er müsse die Welt von seinem Wertesystem überzeugen und der keinen Sinn mehr darin sah, in dem falschen gegenwärtigen Wertesystem sich zu engagieren. Er wird aber wohl auch nicht unbedingt glücklicher. Sie meinten, ihre Sehnsucht hätte konkrete Abbilder in der greifbaren Realität. Und sie haben sogar recht! Aber leider beinhalten all diese schönen dinge die Ziele nicht statisch, sondern nur für einen lebendigen Moment. Das noble Auto und das große Haus suchen in der Natur ihresgleichen. Sie verleihen seinen Besitzern, den Ingenieuren, Managern und Architekten eine besondere Würde (von den Beispielen misslungener Architektur und Design will ich einmal, absehen) und sind Ausdruck von Kunst, Kultur, Leben. Sie haben sogar etwas göttliches. Auch darin, wie sich die Menschen schmücken und kleiden, erhöhen sie sich über ihren Alltag. Nur leider lässt sich Leben nicht festhalten, und so kann das festgehaltene Leben zum Gefängnis werden, wenn nicht die Suche nach den Gegenständen der tieferen Sehnsucht weiterhin das Leben bestimmt. Ich will hier die Vermutung wagen, dass fast unsere gesamte Sehnsucht und die kurzsichtige Umsetzung ein Streben nach Nähe zum Leben oder, um es christlich zu sagen, zu Gott ist. Jawohl: unsere Autos, Häuser, Eitelkeit,etc. - vielleicht ein teilweise verirrtes Streben nach Nähe zu Gott. Je gelassener wir bleiben, und je weniger wir uns von nahen Zielen und Projektionen völlig einnehmen lassen, um so leichter werden wir Ziele unserer Sehnsucht verspüren, erkennen, wo wir Leben finden. Ich kann mich an der Existenz von schönen Menschen, großartigen Häusern, ausgeklügelter Technik erfreuen und das Wirken der Natur darin sehen. Aber ich muss nicht all diese Dinge besitzen, um zum Leben zu finden. Wenn ich dennoch in den Besitz mancher schöner Dinge komme will ich sie pflegen und schätzen, aber mich nicht vereinnahmen lassen von deren Bedeutung. Und ich will dem Umgang mit Menschen und mit der menschlich nicht beeinflussten Natur ebenso einen hohen Stellenwert einräumen, denn hier findet der wichtigste Teil unseres Lebens statt. Die Wurzelsünden wirken dort zerstörerisch, wo wir nicht "cool" bleiben und glauben, hier oder dort etwas sofort und ohne Rücksicht auf unsere Umgebung durchsetzen zu müssen. Kurioser Weise weisen die zugrunde liegenden Kräfte zunächst die richtige Richtung. Aber die kurzsichtige Umsetzung lässt uns stolpern.
Daher glaube ich, brauchen wir keinen inneren Schweinehund zu bekämpfen, wenn wir bei uns eine der Wurzelsünden zu erkennen glauben. Wenn ich sage, wir sollten "cool" bleiben, meine ich, dass wir unsere Furcht aushalten, ohne sofort zu handeln und dafür besonnen analysieren, wohin uns unsere Sehnsucht zieht, welche hinter vordergründigen Handlungsimpulsen zum Vorschein kommt. Wie können wir diesen Sehnsüchten folgen, ohne auf halber Strecke zu vergessen, wo hin wir eigentlich wollten? Wenn wir bei unseren Handlungen abwägen, welche Folgen sie haben werden, was sie uns nutzen werden, dabei nach Gerechtigkeit und dem Ort des hellsten Lichtes suchen, finden wir nicht selten Wege, die für uns sehr vorteilhaft sind. AttraktivitätGemeine Streiche, die unsere Sehnsucht, geliebt zu werden uns spielen kann, will ich im Folgenden noch ein wenig beleuchten:
Sie alle kennen das: Wenn Sie einen Eimer Öl in den Garten stellen, kann der eine ganze Weile dort stehen, ohne dass sich etwas verändert. Legen Sie hingegen ein nahrhaftes Stück Fleisch ins Freie, so kommen schnell die Fliegen, Schimmelpilze und Krähen und mit der Pracht ist es bald vorbei. Wir bestehen überwiegend aus nahrhaftem leckerem Fleisch. Um uns vor derartig gefräßigem Getier zu schützen, brauchen wir ein intaktes Immunsystem, unsere Haut und einige Schutzstrategien.
Diese Gedanken erschrecken manche Menschen, weil sie den Menschen gewissermaßen einen Marktwert zuordnen und sie sehr materialistisch betrachten. Aber ich denke, wir können leichter auf andere Menschen kraftvoll und respektvoll zuzugehen, wenn wir solche Mechanismen erkennen, uns selber schützen und in diesem Schutz die eigene Kraft, Ausstrahlung und Freude bewahren. Auch hier gilt: Von der Realität nicht erwarten, dass sie unseren Vorstellungen entspricht; aber unsere Zielvorstellungen durchaus an unseren Idealen messen! "Du liebst mich nicht / erdrücke mich nicht!"Weitere gemeine Streiche können uns nicht erkannte widersprüchliche Sehnsüchte spielen:
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